Die natürliche Aufrichtung der Wirbelsäule
Setz dich aufrecht hin! Schultern zurück! Brust raus! Wer hat das nicht auch schon mal gehört? In früheren Zeiten wurde manchmal sogar ein Stock hinter dem Rücken durch die angewinkelten Ellenbogen geschoben, damit man aufrecht bleibt. Das Resultat war jedoch ein sehr steifer Rücken mit Hohlkreuz. Eine angespannte Position, welche kein geschmeidiges mitschwingen in der Bewegung des Pferdes erlaubt und äusserst anstrengend ist.
Die Erkenntnis, dass dies nicht vorteilhaft ist, setzte sich verbreitet durch und «Lass mal los!» und «Entspann dich doch!» gehörte bald zum Grundstock der Anweisungen im Reitunterricht. Die Folge davon ist jedoch ein in sich zusammensacken und instabil werden. Der Rücken ist rund wie ein Nussgipfel.
Wenn ein Fahrrad Reifen etwas Luft verliert, kann man trotzdem noch ein Stück weiterfahren, es wird jedoch strenger und das Fahrrad verliert schneller seine Spur. Genauso ist es mit der Wirbelsäule: wenn sie anfängt ihre essentielle Spannung zu verlieren und in sich zusammen zu sacken, können wir trotzdem noch weiterreiten, jedoch wird das Mitschwingen beschwerlicher und die Balance instabiler. Fixiert man nun die Wirbelsäule und zieht sich in eine künstliche Aufrichtung hoch, wird das geschmeidige Mitschwingen auch verunmöglicht und das Gesäss hopst im Sattel.
Bei einer natürlichen Aufrichtung sind die Kurven der Wirbelsäule in Harmonie miteinander. Das heisst, die Lordose der Lendenwirbelsäule mit der Kyphose der Brustwirbelsäule in Balance.
Ist man im Hohlkreuz so ist die Lordose der Lendenwirbelsäule zu stark ausgeprägt und der Bauch wird nach vorne gedrückt. Die Kyphose der Brustwirbelsäule ist kaum zu sehen, die Rücken-, Schulter- und Nackenmuskeln sind übermässig angespannt. Das Becken wird dabei noch vorne abgekippt, so dass vermehrt Druck in die Schamregion kommt. In dieser Haltung kann der Schub der Hinterhand des Pferdes nicht frei von hinten nach vorne durchschwingen und das Pferd schaufelt eher hinten heraus. Würde man diese Haltung auf einem Sitzball einnehmen, so kann dieser nur hinter einem rollen, aber nicht von hinten nach vorne durchrollen und die Rollbewegung ist eingeschränkt. Dies nennt man «vor der Bewegung» sein.
Ist man im Rundrücken in sich etwas zusammengesackt und der Oberkörper macht einen Buckel, so herrscht die Kyphose der Brustwirbelsäule vor. Die Lordose der Lendenwirbelsäule ist kaum bis gar nicht mehr vorhanden. Das fühlt sich zwar im ersten Moment entspannt an, jedoch ist es auch sehr instabil. Das Becken ist nach hinten abgekippt und man sitzt zu stark auf den Gesässmuskeln. Die Bewegung der Hinterhand schiebt das Becken einfach nach vorne weg und kann sich auch hier nicht gut anschliessen. Würde man diese Haltung auf einem Sitzball einnehmen, so würde der Sitzball unter einem nach vorne wegrollen und man fällt fast hinten herunter. Dies nennt man «hinter der Bewegung» sein.
Sind Lenden- und Brustwirbelsäule in Harmonie miteinander kann die Bewegung gleichmässig von hinten nach vorne und wieder nach hinten durchpendeln. Bei einem Sitzball würde man auf dem Ball in der Mitte sitzen und die Rollbewegung kann gleichmässig nach hinten und nach vorne durchrollen. Dies ist nun «in der Bewegung» sein.
Die gute Nachricht: Unser Design ist von Natur aus für den aufrechten Gang entworfen und die natürliche Aufrichtung kann mit der richtigen Herangehensweise mühelos über längere Zeit bestehen bleiben.
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