Der dynamisch schwingende Sitz

Schön Aussitzen im Trab und locker mitschwingen im Galopp ohne zu schieben? Für viele ein Mysterium. Jedoch mit der richtigen Technik für jeden lernbar!

Auf der einen Seite soll ein Sitz im Sattel ruhig sein, auf der anderen soll man mitschwingen. Auf der einen Seite soll man in der Bewegung geschmeidig mitgehen, auf der anderen die Bewegung des Pferdes doch formen. Wie können diese scheinbaren Widersprüche vereint werden und wie setzt man das dann auch tatsächlich praktisch beim Reiten um? Hier kann das Training mit dem Reitsimulator wertvolle Erkenntnisse bieten.

Die scheinbare Ruhe ergibt sich aufgrund zwei Faktoren: Erstens ruht das Becken ruhig und aufrecht auf den Sitzbeinhöckern im Sattel. Dabei ist wichtig, dass sich der Winkel des Beckens zum Sattel auch in Bewegung nicht grundlegend verändert. Zweitens schwebt der Brustkorb scheinbar unabhängig über dem Becken und ruht in der Luft über dem Pferd ohne vor und zurück zu schaukeln oder hin und her zu wackeln. Diese zwei Faktoren zusammen ergeben die optische Illusion, dass eine Reiterin absolut ruhig auf dem Pferd sitzt. Wenn man aber genau hinschaut, ist der Körper sehr wohl in Bewegung.  Der dynamische Körperteil, welcher das Mitschwingen ermöglicht, ist unsere bewegliche Wirbelsäule.

Nicht jeder Teil der Wirbelsäule ist gleich beweglich. Besonders beweglich ist die Halswirbelsäule und die Lendenwirbelsäule. Der Hals sollte stabil aufrecht getragen werden können, damit der Kopf nicht übermässig durchgeschüttelt wird. Im Innenohr befindet sich das Gleichgewichtsorgan und je besser der Kopf auf der Halswirbelsäule ruhen kann, desto einfacher kann die Balance koordiniert werden. Die Lendenwirbelsäule jedoch ist unser Bewegungszentrum. Diese sollte frei in der Bewegung schwingen können.

Wie unterscheide ich nun, ob ich mit dem Becken die Bewegung übermässig mitmache oder mit der Lendenwirbelsäule dynamisch mitschwinge? Eine einfache Übung zur Unterscheidung kann dir dabei helfen.  

Dazu brauchst du nur einen Sitzball. Bewege den Ball nun mit deinen Sitzbeinhöckern hin und her. Wird der Ball mit den Sitzbeinhöckern bewegt, kippt das Becken auf dem Ball hin und her und der Winkel vom Becken zum Ball verändert sich ständig. Beobachtet man die Ballbewegung wird man leicht sehen, dass sich der Ball nicht grossräumig bewegt, sondern eher an Ort und Stelle bleibt.

Wenn man sich hingegen vorstellt, die Wirbelsäule verlängert sich von der Lendenwirbelsäule nach unten in den Ball hinein und man bewegt den Ball mit dieser gedachten Verlängerung wie ein Pendel bietet sich ein anderes Bild. Der Ball rollt viel freier vor und zurück, ohne dass dies mehr Anstrengung bedeutet. Dies erlaubt das freie Mitschwingen auf die Bewegung des Pferdes einzustellen und damit auch die Bewegung präzise beeinflussen, wenn man den Raumgriff verändern möchte.

Auf dem Reitsimulator kann man den Unterschied sehr gut erfühlen und auch sich selber im Spiegel beobachten. Reiben oder massieren die Sitzbeinhöcker im Sattel, dann wird der Sitz insgesamt viel instabiler und die Reiterin arbeitet mehr als das Pferd. Auf dem Bildschirm zeigen die Drucksensoren unter dem Sattel viel Bewegung und unregelmässige Bewegung an. Dadurch, dass sich der Simulator trotzdem nicht aus dem Rhythmus und seiner Balance bringen lässt wie ein richtiges Pferd, lernt man, welchen Einfluss man selber mitbringt.

Möchtest du auch dein dynamisches Mitschwingen überprüfen und verbessern? Dann ist das Reitsimulator Training genau richtig für dich. Unter fachkundiger Anleitung kannst du deine Technik perfektionieren, deine Balance wird sicherer, die Koordination präziser und die Hilfen feiner.

Die Sitzschulung ist unabhängig von der Reitweise und deshalb geeignet für jedes Niveau von Freizeit-, Dressur-, Spring-, Western- oder Gangpferdereiten. Termine können direkt online gebucht werden.

Jennifer Neuhauser